SCHWEIN #1738

“Appetit macht die Ausstellung „Food Revolution 5.0“ im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg nicht. Das liegt unter anderem an dem Schwein. Das Tier wurde von den Augen bis zur Haxe in 60 Teile zerlegt, von denen jedes in einem Silikonblock ruht und an die „Plastinate“ Gunther von Hagens erinnert.

 

Die Designerin Andrea Staudacher, von der die Installation stammt, hat das Schwein mit der Nummer 1738 selbst geschlachtet. Mit dem Projekt will sie darauf hinweisen, dass die meisten industriell gefertigten Produkte aus Tieren keinem Lebewesen mehr ähnlich sehen. Wir essen Objekte aus Tiersubstanz, etwa Nuggets oder Würstchen und ekeln uns davor nicht – vor einer blutigen Schweinerippe aber schon.

 

Außerdem fordert das Schwein im durchsichtigen Silikongrab Transparenz ein, also Einblicke in die Tierhaltungsmethoden und die Verarbeitungskette – wenngleich die meisten Esser vermutlich lieber verdrängen, woraus ihr Mittagsmahl genau besteht und woher es kommt. Wer aber ernsthaft über seine Nahrung nachdenkt, gelangt schnell an die Grenzen des guten Geschmacks. „Wir liefern Denkanstöße, keine Rezepte“, sagt Claudia Banz, Kuratorin der Schau und Leiterin der Sammlung Kunst und Design am Haus." (Welt.de)

 


WEBSERIE SRF

Andre Staudacher lädt zu einem Sozialexperiment mit irritierenden Nahrungsmittel ein: drei Insektenarten, die für den menschlichen Verzehr bald zugelassen werden sollen. Aus diesen Krabbeltieren bereitet sie raffinierte Gerichte zu, und das nicht allein. In ihrem „Food Lab“ hat sie bekannte Gesichter eingeladen, die mit ihr zusammen über Insekten als Nahrungsmittel philosophieren und hart auf die Probe gestellt werden. Welcher Gast traut sich reinzubeissen in Grillenwurst, Mehlwurm-Panna Cotta und Heuschreckendöner? HIER gehts zur den Episoden

 


Aus ihrer Bachelorarbeit des Studienganges Visuelle Kommunikation 2013 ist «ENTO» entstanden, das erste Insektenkoch- und Informationsbuch der Schweiz. In ihrer Kochshow «Andrea’s Future Food Lab» experimentiert sie mit Heuschrecken, Mehlwürmern und Grillen und bietet diese raffiniert zubereitet Passanten in der Zürcher Bahnhofstrasse, Musikfans am Gurtenfestival und Kindern im Naturhistorischen Museum Bern an. Ihr Ziel: Wir sollen unsere Gewohnheiten überdenken. Sie möchte dazu ermuntern, auch mal Unbekanntes zu probieren und ein Bewusstsein für die Ernährung der Zukunft zu schaffen. Sie selbst hat Insekten zum Fressen gern, aber Fleisch möchte sie trotzdem nicht ganz verzichten. Ein Fondue-chinois ohne Fleisch kommt für sie deshalb nicht infrage.